Ernährungsphysiologische Beurteilung von Rapsöl

- Unterschiede bei der Ölgewinnung von Speiseölen
- Kaltpressung
- Warmpressung mit Extraktion
- Warmpressung ohne Extraktion
Die Ernährungsgewohnheiten in Mitteleuropa sind durch überhöhte Energiezufuhr, basierend vor allem auf erhöhte Fettaufnahmen, aber auch durch zu viel Verzehr leicht verdaulicher Kohlenhydrate gekennzeichnet. Durch diese Ernährungsweise und durch die häufig sitzende Tätigkeit (viel zu wenig körperliche Bewegung) werden degenerative atherosklerotische Erkrankungen (Verkalkungen der Blutgefäße, Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen etc.) eindeutig begünstigt.
Vor allem die Zusammensetzung der mit der Nahrung aufgenommenen Fette beeinflusst wiederum die Blutspiegel verschiedener Blutfette, die ihrerseits - sofern sie in ihrer Menge und ihrer Zusammensetzung ein ungünstiges Muster zeigen, diese degenerativen atherosklerotischen Prozesse begünstigen können. Dabei spielt vor allem die LDL-Fraktion (Low Density Lipoprotein) eine große Rolle, denn dieses Lipoprotein wird durch Nahrungsfaktoren stark beeinflusst und beschleunigt diese degenerativen Prozesse.
Eine gesunde Ernährung, die einer Gesunderhaltung des Menschen und Veränderungen der Blutgefäße entgegenwirken kann, ist durch folgende Kriterien charakterisiert:

1) Mäßige, der körperlichen Aktivität angepaßte Energiezufuhr mit dem Ziel, Übergewicht zu vermeiden.
2) Niedrige Zufuhr an vor allem sogenannten gesättigten Fetten (meist in tierischen Produkten enthalten) und Zufuhr eines ausgewogenen Verhältnisses von einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fetten.
3) Relativ hohe Zufuhr an komplexen Kohlenhydraten vor allem durch Vollkornprodukte, Gemüse, Obst etc.
Gesättigte Fette können die atherogene LDL-Fraktion deutlich erhöhen, hingegen können Fette mit einem hohen Gehalt an einfach ungesättigten bzw. mehrfach ungesättigten Fettsäuren diesem Prozess entgegenwirken, d. h., ein erhöhtes LDL abzusenken. Ein besonders günstiger Effekt in dieser Hinsicht wird dem wichtigsten Vertreter der einfach ungesättigten Fettsäuren, der Ölsäure, zugeschrieben: Fette bzw. Öle mit einem hohen Gehalt an dieser Säure senken einerseits LDL, erhöhen andererseits die HDL-Fraktion
Nach gut belegbaren wissenschaftlichen Studien der vergangenen Jahre hat Rapsöl - aufgrund des sehr hohen Gehaltes an Ölsäure - eine günstige Wirkung auf Blutfette, indem es insbesondere die LDL-Fraktion senkt und HDL erhöht. Byte)
Somit kommt der Verwendung von Rapsöl im Rahmen einer ausgewogenen gesunden Ernährungsweise ein hoher Stellenwert zu, der mithelfen kann, ein günstiges Blutfettmuster zu erreichen. Dies ist sowohl für Menschen ohne besondere Risikofaktoren ein wünschenswertes Ziel, für Menschen, die wegen einer angeborenen Fettstoffwechselstörung oder einer familiären Risikokonstellation ohnehin schon eine spezielle Diät einhalten müssen, eine besonders wichtige diätetische Maßnahme.

Eine gesunde und gesund erhaltende Ernährung soll auch gut schmecken und Freude bereiten, dazu kann Rapsöl einen entscheidenden Beitrag liefern.

Univ. Prof. Dr. Kurt Widhalm
Universität Wien

 

Unterschiede bei der Ölgewinnung von Speiseölen



Die Güte eines Speiseöles wird nicht alleine von der Art der Pressung bestimmt, es kommt auf mehrere Faktoren an. Die Reinigung des Öles ist jedenfalls miteinzubeziehen. Es gibt im wesentlichen 3 verschiedene Verfahren, die am Beispiel von Rapsöl beschrieben werden:


Kaltpressung

Der Rohstoff Raps wird leicht angequetscht, damit die Schale geöffnet wird und anschließend in einer Schneckenwalze ohne Anwärmung gepresst. Das abfließende Öl wird über einen großen Filter von Feststoffen getrennt und abgefüllt.

Vorteil:

+ Es werden keine Vitamine zerstört, das Öl ist natur pur.

Nachteile:
- Durch die fehlende Reinigung bleiben verschiedene Verunreinigungen, Trübstoffe, aber auch Wasser im Öl. Die ebenfalls verbleibenden freien Fettsäuren neigen stark zu Oxidation, das Öl wird rasch ranzig und es ist max. 3 Monate haltbar.
- Erhalten bleibt auch der starke Eigengeschmack von Rapsöl. Das ist nicht jedermanns Sache.
- Verwendung: ausschließlich kalte Küche, da kaum erhitzbar.
- Ausschließlich bäuerliches Verfahren, für Vermarktung über LEH nicht geeignet.

Warmpressung mit Extraktion

Die Saat wird angequetscht, kurzzeitig auf knapp 100 °C erwärmt und in einer Schneckenpresse gepresst. In der Folge wird das restliche Öl aus dem Pressrückstand mit einem chemischen Lösungsmittel, zumeist Hexan, ausgewaschen, sprich extrahiert. In der nachfolgenden Destillation wird versucht, Lösungsmittelrückstände vom Öl zu trennen. Anschließend Reinigung des Öles in Raffinationsanlage, Abtrennung der freien Fettsäuren durch Zugabe von Laugen (Verseifung).

Vorteile:
+ hohe Ölausbeute (rund 99 %)
+ Sojaöl und Sonnenblumenöl ist ohne chemische Extraktion kaum wirtschaftlich herstellbar, weil die Ausbeute sonst so gering wäre.

Nachteil:
- hoher Einsatz von Chemie erforderlich.

Warmpressung ohne Extraktion bei


Die Saat wird angequetscht, kurzzeitig auf knapp 100 °C erwärmt und in der Schneckenpresse gepresst. Anschließend wird das Öl über Zentrifugen und Filter von Fest- und Trübstoffen getrennt und der Raffination unterzogen. Das ist ein bei uns speziell entwickeltes Destillationsverfahren, wo es gelingt, die freien Fettsäuren ohne Einsatz von Chemie vom Öl zu trennen.

Vorteile:
+ Durch die Raffination (Reinigung) wird das Öl geschmacksneutral und länger haltbar gemacht: 1 Jahr nach Füllung.
+ Durch unser Reinigungsverfahren ist das Öl erhitzbar (Rauchpunkt knapp über 205 °C). Es ist daher für alle Küchenzwecke einsetzbar (Salate, Braten, Backen, Frittieren, etc.)
+ Durch unser Verfahren wird das Öl geschmacksneutral und überlagert nicht den Eigengeschmack der Produkte.
+ Durch den Verzicht auf Chemie bei der Pressung haben wir zwar eine geringere Ölausbeute (rund -9%), dafür kann unser Ölkuchen in der biologischen Landwirtschaft als Futter- und als Düngemittel eingesetzt werden.

Nachteil:

- Geringere Ölausbeute

 

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